«Was Sie in 72 Stunden nicht umsetzen, packen Sie nicht an»
Veröffentlicht: Donnerstag, 05.02.2026 23:05
Vorsätze retten
Pfullingen (dpa/tmn) - Zeit für ein erstes Resümee: Haben Sie Ihre beruflichen Neujahrsvorsätze umgesetzt? Nein? Da sind Sie nicht der oder die Einzige. Regelmäßig scheitern die hehren Vorhaben zum Jahresanfang. Woran liegt das? Und wie können wir Ziele so formulieren, dass wir sie erreichen? Coachin Sabine Votteler gibt Tipps.
Frau Votteler, warum scheitern Neujahrsvorsätze so oft?
Sabine Votteler: Neujahrsvorsätze sind oft idealisierte Annahmen und keine Ziele. Oft nimmt man sich Sachen vor wie «Ich will mehr Zeit für mich», «Mehr Zeit mit der Familie verbringen» oder «Keinen Termin nach 18 Uhr». Und auch wenn letzteres schon ziemlich konkret formuliert ist, ist die reine Aussage «Kein Termin nach 18 Uhr» zum Scheitern verurteilt.
Wieso?
Votteler: Wenn ich vorher nicht geschafft habe, um 18 Uhr nach Hause zu gehen, dann passt das vielleicht derzeit nicht in mein Leben. Vielleicht ist das Ziel zu hoch gegriffen oder aber beißt sich mit einem anderen Ziel. Meistens aber fehlt es vor allem an Maßnahmen. Kleine, konkrete Schritte. Das «Wie setze ich das jetzt um?» ist das Problem.
Sollte man die Vorhaben also lieber gleich begraben?
Votteler: Nein! Es ist nie zu spät, mit der Umsetzung eines Zieles zu beginnen. Und vor allem: Machen Sie sich keine Vorwürfe, sehen Sie das bloß nicht als Versagen, wenn Ihr Vorhaben gescheitert ist. Ich kann Sie beruhigen: Vorhaben scheitern meiner Erfahrung nach selten an mangelnder Disziplin, sondern eigentlich immer an der Lebensrealität.
Wie sage ich meiner Lebensrealität den Kampf an?
Votteler: Ganz einfach: Wenn Ihr Ziel ist, früher nach Hause zu kommen dann blockieren Sie jetzt Ihren Terminkalender ab 18 Uhr. Das «Jetzt» ist entscheidend, denn alles, was Sie nicht innerhalb von 72 Stunden umsetzen, packen Sie nicht an.
Und wenn meine Vorhaben trotzdem immer wieder scheitern?
Votteler: Also: der Kalender ist blockiert, aber die Arbeit häuft sich, die Kollegen rufen immer noch nach 18 Uhr an. Dann müssen Sie noch kleinteiliger arbeiten. Sie fragen sich erst mal, was genau steht mir eigentlich im Weg: Ist es die Zeit? Die Energie? Die äußeren Umstände?
Wir nehmen an, es sind die äußeren Umstände.
Votteler: Dann machen Sie jetzt ein Meeting mit Ihren Kollegen aus und blockieren sich vor dem Treffen einen Zeitraum in Ihrem Kalender. In dieser Zeit überlegen Sie dann, was Sie künftig delegieren können und wie Sie Ihre Kollegen darüber informieren, dass Sie künftig ab 18 Uhr nicht erreichbar sind.
In Aktion gehen fällt vielen Menschen sehr schwer. Was hilft da?
Votteler: Motivation! Denken Sie konkret an das, was Sie nach 18 Uhr machen werden: zwei Stunden Radfahren im Wald oder ab sofort mit der Familie zu Abend essen.
Gibt es nicht auch Ziele, die immer wieder scheitern werden?
Votteler: Ja, die gibt es. Einer der größten Fehler ist, sich zu viel auf einmal vorzunehmen. Sie schaffen nur ein großes Ziel wie «gesünder leben» oder «kürzer arbeiten» auf einmal. Und manchmal muss man sich auch eingestehen, dass das Ziel sich mit einem anderen im Weg steht. Dann muss man priorisieren, das wichtigere Ziel gewinnt – erst mal. Aber auch das ist keine Niederlage.
Was raten Sie für das Festlegen der nächsten Vorhaben?
Votteler: Verabschieden Sie sich von dem Gedanken, dass Ziele schnell erreicht werden. Am erfolgreichsten werden Sie sein, wenn Sie konsistent an etwas arbeiten. Machen Sie trotzdem den ersten Schritt sofort. Und legen Sie sich einen Zeitraum fest, der kein Aufschieben erlaubt, aber auch nicht zu viel Druck ausübt - drei Monate sind perfekt.
Zur Person: Sabine Votteler war über 20 Jahre lang Führungskraft, bevor sie sich 2014 selbstständig machte. Heute arbeitet sie als Coachin für berufliche Neuorientierung.

